Mo
25
Aug
2008
Rad-Urlaub in Tschechien
Tag 1: Dresden - Königssteinpanorama
Das historische Gedöns in DresdenDiesmal kein Automatendrama am Hauptbahnhof. Wochendend-Ticket, ne SZ und ne ZEIT.
Seltsam kleiner Umsteigebahnhof in ..., auf dessen schmalen Bahnsteig der Anschlußzug gleich kommt.
Is ne seltsam hinterwäldlische Verbindung in die Metropole Dresden. Der Schaffner so unfreundlich wie die Schaffnerin vorher.
Am Bahnhof Dresden Neubau-Riegel gen Fußgängerzone, die mit Springbrunnenklimbim wirken, als wollten sie den Besucher zurück in den Zug scheuchen. Der Westen hat die monumentalplattenpifike Gräßlichkeit der DDR-Fußgängerzone Dresdens erfolgreich mit brutaler Konsum-Gräßlichkeit überboten.
An der Frauenkirche bitten Massen um Einlass. Die Welt zu Gast. Kirche sieht geflickt aus. Da is noch der Berliner Dom schöner. Vielleicht hätte man den Stupf doch stehen lassen sollen. Vielleicht hätte man dadurch der Geschichte mehr gewürdigt. Doch im Sinne Steigenbergers gegenüber sind auch die Eventbühnen lukrativer.
Wir schwenken durchs kleine historische Kleinod der Stadt, und machen rüber in die Neustadt, um Kaffee in einer Open-air-Location zu trinken, die sicherlich ganz hip ist, auch nett, doch seltsam normal.
C. ergattert auf kleinem Flohmarkt zum Zentrum hin eine Sachsen-Karte, auf der Tschechien bis Prag gut drauf ist. Sie wird erst mal unser Führer sein.
Christian alias C. bei der VesperDer Elberadweg - es ist Sonntag - ist voll. Man muß höllisch auf Gegenverkehr (Fußgänger, Radfahrer, Biker) aufpassen.
Langweilt eigentlich. Die Elbe fließt träge im breiten Becken, sie rauscht nicht (wie Kollege Matze neulich noch von der Isar schwärmte), die Burgen und Villen ringsum sind zwar nett anzugsehen, doch alles in allem ist auch der Radweg gradlinig tröge.
Überaus erheiternd sind all die Events und Locations auf dem Weg. Alle paar Meilen ein Fest. Wir haben Eis am Blauen Wunder, füllen Wasser auf einem Kinderfest auf einer Wiese nach, haben in ... ein Uferfest zu umgehen und sind erstaunt ob des Trubels.
Dann irgendwann Pause (Bild): Auf einer Elb-Aue. Wir essen aus Berlin mitgebrachtes. Es beginnt leicht zu regnen. Hinter uns Naturschutzgebiet. Eine Familie mit Kindern schwürmt aus. Kinder werfen Steine ins Wasser. Ein Boot mach möchtig Welle.

Noch ne Attraktion am Elbradweg: Eine Techno-Insel mit Bar, Sand, Strandkörben, Beachvolleyball und Leuten aus der Nachbarschaft. Kaffee-Pause. Die Musik ist schlechter Techno und wir fragen uns, ob und wie richtige Raves die Anwesenden wohl irritieren täte. Die Besitzerin ist bodybuilted und gut drauf. Sie trägt gelb-Dress. Ein Hund macht Freundschaft mit uns.
Die erste Nacht

Fahren, fahren fahren. Es wird später und nach Pirna nehmen wir ein Tal nach rechts, weil es Zeit ist, einen Schlafplatz zu finden, und weils an der Elbe nur steil nach oben geht, und es nicht schlafplatzversprechend aussieht: In Obervogelgesang erleben wir, naiv wie wir sind, den ersten Schrecken: Es geht im sachten Tal brutal bergauf. Wir müssen die Räder schieben. Geradezu heben. Durch nen schönen Wald. Doch zieht es sich richtig hin.
Dies sollte der Einstand sein: Fortan werden wir fast mehr schieben als fahren, denn die Sächsische wie Böhmische Schweiz ist naturgemäß steil.
Es geht immer noch weiter und noch mal nach oben, wir kommen gefühltermaßen über die Schneefallgrenze, doch es geht nochmal immer nochmal höher. Dann mal kurz bergab, an einer Kreuzung entscheiden wir uns für eine Lichtung, die wir über einem Barackengehöft, das wir als Müllverwaltung ausmachen. Über ein abgemähtes Maisfeld gehts rüber in eine Lichtung am Bergrücken, in der wir uns sicher fühlen, obgleich die kleine Straße noch sichtbar ist.

Rechts neben der Wolke die Festung Königsstein! Das war ne Überraschung. Und des Abend gingen dort sogar die Beleuchtungsstrahler an. Dies also der erste Übernachtungsplatz nach Berlin, das nur ein paar Stunden zurücklag.
Am Rande eines Maisfeldes mit viel Lehmboden, der nicht allzu appetitlich war, doch wägten wir uns sicher - und schliefen gut. Ich träumte, daß auf der Wiese ein Rummel aufgebaut würde, daß wir dabei involviert waren, dann mit einen Jeep mitfuhren in eine tundrahafte Landschaft, in der der Jeep seitlich in den Graben fuhr, wonach wir zu sehen hatten, wie wir in der Mongolei weiterkommen würden.
Tag 2: Königsstein - Sächsisches Gebirgstal

Sorry, Bild verwackelt: Nachdem wir nach dem Frühstück nach dem ersten Kaffee des Campingkochers aufbrachen, und erst mal dankenswerterweise über schöne Hügel und durch schöne sächsiche Dörfer runterwärts fuhren, entschieden wir - Christian sah den Hinweis - für den Weg, der da hieß Ort Königsstein. Gradeaus wärs weitergegangen zur Burg nach oben. Aufwärts. Also gerne den nicht-aufwärts-Weg nehmen!
Nahmen wir. Doch aber sobald: Da ging es jäh hinab in ein eine Schlucht. Wir mußten die Räder tragen. Und sogar zusammen tragen, um sie runter zu dieser Brücke (Bíld) und dann wieder über Wurzeln und Steilheit hochzukriegen. Doch dann, zum Glück, keine weitere Schlucht. Es kam der steile Fußweg hinauf zur Festung Königstein. Wir banden die Räder an nen Baum und gingen hoch nach Königstein.

Ich war schon mal gleich nach der Wende dagewesen. Da war das noch nicht so upgedated. Die Festung hatte noch mittelalterlicheren Flair. Doch allein die steile unterirdische Eingangsschlucht beeindruckt. Da hatte man mal die Fässer und Güter mit nem Zug hinaufgezogen. Pferde hatten die Klippen zu nehmen. Mittelalter intensiv.
Oben Touries mit Pommes-Blick. Doch schöne Aussicht rundum. Ein schöner Aussichtspavillon mit Blick aufs Dorf Königstein und die Elbe. Kleine Zinnentürme mit Durchblicki. Aus denen wurde wohl mal gschossen. Is alles recht unvorstellbar wie das mal war.
Schon von oben konnten wir Netto sehn. Da wollten wir hin. Es hatte geregnet, als wir uns oben unterstellen konnten, doch blöderweise hatten wir die Schlafsäcke nicht regengesichert. Es plätterte richtig. War dann doch aber nicht schlimm. Jedenfall mußten wir, um ins Dorf Königstein zu kommen, den den Fußtweg runtermachen, der aus Steinplatten bestand. Extrem steil und glatt ging es hinab. So steil, daß wir zunächst dachten schieben zu müssen, doch ging es gerade so, daß man, bremsend, runter kam. Bei Netto dann Einkauf. Dann Banane und Käse an der Elbe.
Dann machten wir mit der Fähre - für € 1.50 mit Rad - rüber aufs ander Ufer (Bild 2), da da der Fahrradweg weiterging. Es war da nicht mehr so ganz viel Gegenverkehr.

Und kamen über Wege, die bisweilen hoch über die Elbe führten, nach Bad Schandau. Ich war da nach der Wende schon mal mit Freund Thomas dagewesen. Damals lag das quasi in Schutt und Asche. Wir wohnten bei Familie Rentsch, und die home-Mama wußte viel von post-DRR-Drama zu berichten.
Heute erlebten wir den Ort als einen Kurort eisfressender Verzweiflungstouristen. Grauenhaft, wie der Familien-IQ nichts besseres auszurichten weiß, als dort, an der Bastei ein Eis gegessen, die Leiber durch wenigsagende Stadtkusillen zu schieben. Peinlichist das Bild, das man sich da vom Deutschen zu machen hat. - Wir essen auch Eis.

Es wurde Zeit, nach einem Schlafplatz zu schauen. Vor Bad Schandau hatten wir ein sachtes Tal ausgemacht. Statt also endlos im Elbetal weiterzufahren, fuhren wir zurück zu jener Schneise.
Einen Feldweg an breitem Bach gings hinein. Der Weg mündete jedoch in ein stillgelegtes Eisenbahnschienen-Terrain, das nur Schotteruntergrund bot. Über die Gleise hinweg ein Fabrikgelände, an dessen blinden Fleck zwar eine Wiese war, doch war sie mir zu hochgrasig. Christian fand sie ok. Mir wars zu wenig Idylle und Panorama. Der Bach war zwar nah, doch unzugänglich, es war mir zu langgrasig.
Wir hieften die Räder über die aktiven Gleise, flüchteten über das nicht abgesperrte Firmengelände und besichtigten nebenan ein idyllisches Mühlengebäudegelände, das unbewohnt aussah, doch, es waren Blumen im Fenster, wohl doch bewohnt war. Hm, mehrmals sahen wir später Plastikblumen in definitiv leeren Wohnungen. Eine Art Wasseraufbereitunsanlage mit Garten. Schön wär´s gewesen, doch allzu urban. - Also weiter. Gleich ein Stück weiter eine ehemalige Jugendsiedlung, brachliegend. EIn alter Kinderstadtplan hängt am Haus unterm Baum. Doch nix ungeschützt da. Also weiter.
Und so gings bergan die kleine Straße längs und nach dem Bergrücken kamen wir in naturgewaltige Berg- und Walddichte mit Dörfern und Häusern ab und an, mit elbsandsteintypischen Felsen. Bach, dem wir folgten. Doch nirgendwo in der landschaftlichen Baumenge und Steilheit Platz für ein Zelt. Die Sonne sank, es war schön zu fahren zumal es nicht chronisch aufwärts ging. Wunderbar in Abendstund.
Dann aber eröffnete sie sich: Eine Aue, eine Wiese, ein Grund am Ufer des Baches. In der Ferne eine Siedlung, doch geschützt von Bäumen währten wir uns sicher. Nebenan fuhr ab und an ein Zug: Ein lustig kleiner Zug, der stets hupte. Menschen winkten sogar zurück.
Vor dem Zelt ein wildes Kürbisbeet mit einem fetten und einem kleinen Kürbis. Zum Bach hin zu viel Brennesseln, um runter zugehn, doch ein Stück weiter den Wanderweg entlang an einer kleinen Brücke, sahen wir, daß wir morgens ein prächtig kühles Waschbad, das wir auch nahmen, nehmen würden können.
Käfer, Spinnen und Heuschrecken beobachten unser Abendessen. Besser als die Schnecken vom Vorabend. Ich hörte nachts ein Wesen auf den Teller, der vor dem Zelt lag, treten und danach ein Schaufen, das einem Wildschwein entsprungen sein könnte. Jedenfalls traf ein Animal auf den Teller. Ob aber das Schaufen nicht das leise Schnarchen Chrtistians war - oder ein Wildschwein - und ob ich selbst das Tellerscheppern geträumt habe, weiß ich nicht sicher zu sagen.
Am Morgen sagte ein Vorbeigehender ´Augfstehn´!. Danach ging ein Angler vorbei, dann ein Mensch mit Schubkarre, dann Radfahrer ... , doch wars ok, daß wir da waren. Wir kapierten bald, dass es die Tschechen nicht sehr interessiert, wenn irgendwo jemand im Wald sitzt.

Frühstück mit Kaffee war fein. Das Waschbad im Fluß kalt, doch reinigend.
Wir folgen dem Wanderpfad, überquern dei Brücke, an der wir badeten, kommen an der Kuhwiese vorbei, an der ein semileeres Gehöft steht - und ab geht es in dn Wald. Es riecht nach Natur pur. Es ist schwül.
Eine Gabelung. Pause (Bild). Wir entscheiden uns für unten. Klar. Liegt auch auf Route.
Pause. Am Bach geht Christian Zähneputzen. Schöner Wald. Tief.



